Kurz bevor dem Markteintritt der finalen Versionen von Silverlight 2 und JavaFX ist es wieder einmal an der Zeit, sich auf die Rolle von Ajax zu besinnen.
Schaut man auf die Verbreitung von Ajax für Webanwendungen, entsteht schnell der Eindruck, dass es sich um einen Major Player im RIA Segment handelt. Schaut man jedoch auf die Möglichkeiten, die Performance und die “Reichhaltigkeit” der Anwendungen kommen daran genau so schnell wieder Zweifel auf.
Unbenommen gilt dass alleine mit den bekannten Google Applikationen, wie Docs & Spreadsheets, Mail und Kalender, Ajax den RIA Markt maßgeblich bestückt. Zwar stehen etwa mit Buzzword weitaus mächtigere Anwendungen in anderen Technologien zur Verfügung, jedoch haben diese bei weitem nicht die Reichweite wie die beliebten Google-Anwendungen.
Ein weiterer Aspekt ist bei der Bedeutung von Ajax zu berücksichtigen. Zwar haben mit Microsoft (Silverlight), Adobe (Flash/Flex) und Sun (JavaFX) die Schwergewichte der Branche ihren technologischen Claim abgesteckt, jedoch haben sich zwei weitere Größen bewusst gegen eine proprietäre Technologie entschieden. Sowohl Google als auch Apple setzen bewusst auf Ajax für ihre Online Applikationen und gegen eine dezidierte RIA-Technologie. Beide haben auch eigene Ajax-Frameworks im Zentrum ihrer Aktivitäten, GWT auf der einen und SproutCore auf der anderen Seite. Vorteil dieser Ausrichtung ist, dass die Anwendungen auf Plugins verzichten und vor allem auf den mobilen Endgeräten der Firmen iPhone und Android Handys ohne Weiteres laufen. Vor allem verstehen es diese Hersteller, ihre Endgeräte Ajax “freundlich” zu halten: Es gibt schlicht kein Flash für beide Plattformen.
Die Einschränkungen von Ajax gegenüber RIA-Technologien werden Stück um Stück adressiert. So werden gegenwärtig die Java-Script Interpreter aufgebohrt und erzielen in aktuellen Vorab-Versionen von Safari 4 oder Googles Chrome beachtliche Performance-Steigerungen. Auch werden mit den neuen Canvas Element neue Möglichkeiten der Reichhaltigkeit der Anwendungen möglich werden. Das Problem des umständlichen Entwicklungsmodells und des bescheidenen Toolings für Ajax Anwendungen hat zumindest Google mit dem GWT treffend addressiert und gelöst, in dem Ajax Anwendungen einfach in Java geschrieben werden und dann in Java-Script übersetzt werden.
Es wird noch lange Zeit offen bleiben, welcher Entwicklung sich durchsetzt: Plugin basierte, reichhaltige Technologien wie Flash oder “offene” Technologien wie Ajax, denen einiges an Performance und Ausdruck fehlt. Betrachtet man die Popularität vieler Ajax-Anwendungen und den immer mächtigeren Markt für mobile Anwendungen spricht vieles dafür, Ajax zu den dominanten Ria-Technologien hinzu zu zählen.
Ajax wird jedoch zumindest ebenso lange Zeit an den Einschränkungen kranken, an denen es bereits heute leidet: Performanz, Reichhaltigkeit und Ausdrucksfähigkeit sowie einem suboptimalen Entwicklungsmodell und Tooling.
Hier sind die Kriterien zu orten, die über den Erfolg oder Misserfolg der Technologien entscheiden. Ajax gewinnt nur an einem aber entscheidenden Punkt: Der Verbreitung bzw. Verfügbarkeit auf internetfähigen Devices aller Art – das alleine könnte jedoch schon ausschlaggebend sein.
Interesannte Gegenüberstellung! Selten eine derartig religionsfreie Zusammenfassung der einzelnen Markt-Player gelesen.
Ergänzen möchte ich, das es auch eine Frage des Workflows ist, wie sich eine technologie durchsetzen wird, oder nicht. Ist Flash-für-den-desktop anfang des Jahrhunderts nicht daran gescheitert, weil Grafiker und Programierer in einer Person selten zu finden war und der interchange damals in Flash sehr mau gelöst war?
Sun lernt von den Fehlern anderer und setzt viel in den Intergrationsprozess. Workflow und Handhabung wird an Bedeutung gewinnen und letzendlich über Marktsieg oder Niederlage entscheiden.